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FREIE WÄHLER im Landkreis Eichstätt

Anton Haunsberger
Kreisvorsitzender

Herzog-Ludwig-Straße 5
85110 Kipfenberg

Email: info@fw-landkreis-eichstaett.de


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Eva Gottstein
Mitglied des Bayerischen Landtags

Pfahlstraße 14
85072 Eichstätt

Email: buero@eva-gottstein.de


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13. Februar 2008 Interview mit Landratskandidat Anton Haunsberger

Nicht verwalten, sondern gestalten

Eichstätt (EK) Am 2. März wird der Nachfolger von Xaver Bittl als Landrat gewählt. In Interviews geben die drei Bewerber Anton Knapp (CSU), Sven John (SPD) und Anton Haunsberger (FW) Auskunft über ihre Vorstellungen und Ziele. Mit Anton Haunsberger sprachen Hermann Redl und Jürgen Knopp.

Nicht verwalten, sondern gestalten

Anton Haunsberger im Gespräch mit den EK-Redakteuren Jürgen Knopp (rechts) und Hermann Redl (links).

Was macht Ihr Studium eigentlich? Sie haben 2004 an der Fachhochschule Ingolstadt begonnen, IT-Management and Information Systems zu studieren. Haben Sie Ihren Master jetzt schon?

Haunsberger: Ja. Seit Juli 2006.

 

Warum haben Sie in dem Alter noch ein Studium angefangen?

Haunsberger: Ehrgeiz und logischerweise das Unternehmen. Ich bin in der Informatikbranche tätig und da wollte ich einfach mitreden können.

 

Sie sind Mitinhaber und Geschäftsführer eines erfolgreichen Unternehmens mit etwa 100 Mitarbeitern an fünf Standorten in Deutschland. Warum wollen Sie Landrat werden?

Haunsberger: Ich möchte, schon seit Kindesbeinen an, meine Umgebung mitgestalten Mit 18 Jahren, 1978, war ich bereits Kandidat für den Gemeinderat in Kipfenberg. Mich hat das Thema nie losgelassen. Mir ist es wichtig, der örtlichen Gemeinschaft etwas zu geben, etwas mitzugeben, meine Umgebung mitzugestalten.

 

Sollten Sie Landrat werden, ziehen Sie sich dann aus Ihrem Unternehmen zurück?

Haunsberger: Das ist definitiv so. Dafür gibt es drei Kollegen, und im vergangenen Jahr kam noch ein weiterer hinzu.

 

Sie sind gelernter Verwaltungsmann und waren von 1986 bis 1991 Kämmerer der Gemeinde Gaimersheim mit Anton Knapp als Bürgermeister an der Spitze. Finden Sie lobende Worte über Ihren jetzigen Konkurrenten?

Haunsberger: (überlegt kurz) Anton Knapp ist ein Arbeitstier und macht mit Sicherheit keinen schlechten Job.

 

Als Bürgermeister. Und als Landrat?

Haunsberger: Lassen Sie es mich einfach so sagen: Ich bin der Bessere. Ich bin davon überzeugt, dieses Amt besser ausführen zu können.

 

Die Gemeinde Gaimersheim boomt. Der Landkreis zählt 30 Kommunen. Und bei anderen Gemeinden, beispielsweise im Westen des Landkreises, sind die Zahlen nicht so rosig. Sehen Sie da Handlungsbedarf?

Haunsberger: Die Entwicklung von Gaimersheim ist maßgeblich beeinflusst von Altbürgermeister Martin Meier (SPD; 1960 bis 1984 im Amt; Anm. d.Red). Unter seiner Zeit wurden die Gewerbegebiete geschaffen. Darin ist die wirtschaftliche Prosperität Gaimersheims vor allem begründet. Die Gemeinde Gaimersheim ist deshalb auch Spitzenreiter, was das Gewerbesteueraufkommen betrifft. Da kann man eigentlich wenig verkehrt machen. Ich komme aus eine Gemeinde, in der man auch den Mangel kennen gelernt hat. Vor allem im Mangel muss man kreativ sein. Was jetzt die Gemeinden westlich und nördlich von Eichstätt betrifft, müssen wir die Achsen zur Autobahn hin stärken. Verkehrsbeziehungen müssen ausgebaut werden, das ist eindeutig. Die westlichen Gemeinden wie Mörnsheim, Dollnstein, Wellheim müssen wir ebenfalls an Achsen wie die B 2 oder B 13 anbinden, besser anbinden. Die Verkehrsanbindung ist entscheidend.

 

Was nutzt eine gute Verkehrsanbindung wenn, wie in Dollnstein, das Gewerbegebiet seit Jahren zur Hälfte leer steht?

Haunsberger: Dort ist es natürlich schwierig, bedingt durch die Tallage. Da wäre zu überlegen, eventuell auf die Jurahöhe Richtung Eberswang zu gehen.

 

Welche anderen Möglichkeiten außer Gewerbe sehen Sie für diese Gemeinden noch?

Haunsberger: Im Altmühltal und seinen begrenzten Flächen müssen wir uns auf den Tourismus konzentrieren. Eine meiner Ideen ist es, Produkte aus dem Landkreis, aus dem Naturpark Altmühltal, mit einem eigenen Label zu versehen. Das kostet nicht viel. Allem was hier produziert wird, ob Stein, Bier oder andere Spezialitäten, geben wir das Label ,Produkt aus dem Naturpark Altmühltal’ und machen damit auch ganz klar Werbung für unsere Gegend.

 

Welche Rolle soll da künftig die Kreisstadt spielen?

Haunsberger: Eichstätt ist ganz wichtig. Wir müssen Eichstätt wieder zur Kreishauptstadt, zum Zentrum des Landkreises machen. Was hat Eichstätt, was Ingolstadt beispielsweise nicht bieten kann? Mit einem Westpark können wir nicht mithalten, den bekommen wir hier auch nicht. Wir müssen schauen, dass wir Eichstätt wieder als Einkaufsstadt attraktiv machen, als Kulturstadt. Das geht halt nicht, wenn das nur die Stadt Eichstätt alleine versucht, sondern da müssen wir Netzwerke bilden. Beispiel Volkshochschule: Warum kann Eichstätt nicht mit Kipfenberg auf diesem Gebiet kooperieren? Oder auch bei den Musikschulen. Da tun wir zu wenig.

Ist Eichstätt in den vergangenen Jahren ins Hintertreffen geraten gegenüber anderen Kommunen wie Gaimersheim oder Beilngries?

Haunsberger: Die anderen haben sich sicherlich rascher entwickelt als Eichstätt. Eichstätt stagniert. Das hat sicherlich auch viele Ursachen. In Beilngries boomt die Gastronomie, die Anbindung an die B 299 ist da, der Kanal und nicht zuletzt in Kinding der ICE-Halt. Da kann Eichstätt nur bedingt mithalten. Aber Eichstätt hat eben andere, hat kulturelle Werte, die mehr profiliert werden müssen. Und wir müssen uns mehr vernetzen, also den Gast aus Beilngries bewusst nach Eichstätt bringen. Dies betrifft auch den Öffentlichen Personennahverkehr.

 

Bei den von Ihnen genannten Beispielen sind in erster Linie die Kommunen gefordert. Wo soll der Landkreis, wo wird ein Landrat Anton Haunsberger Akzente setzen?

Haunsberger: Beim ÖPNV ist der Landkreis gefordert. Aber worum es mir geht: Nicht verwalten, sondern bewusst gestalten. Für mich ist es wichtig, die Landkreisbürgermeister zusammen zu bringen. Der Landkreis kann Gespräche führen, kann lenken, kann Unterstützung geben. Dieser Zusammenarbeit der Gemeinden gehört die Zukunft. Größere Einheiten sind gefragt. Ich denke da an den Limes. Wie der Ammonit für den Naturpark zwischenzeitlich ein Werbezeichen ist, könnte auch mit einer Abbildung des Limes bundesweit mehr Aufmerksamkeit erreicht werden.

 

Der Landkreis steht, und da werden Sie wohl zustimmen, gut da. Wo sehen Sie noch Defizite oder Kurskorrekturen notwendig?

Haunsberger: Der Landkreis hat viele positive Zahlen. Jede Statistik lässt sich aber auch leicht schönen. Was bei uns immer verschwiegen wird: Wir haben über 150 arbeitslose Jugendliche im Landkreis, die in keiner Statistik erscheinen, von denen nur ein Teil beschult wird, die überwiegende Mehrheit nach einer sechswöchigen Phase wieder in die Arbeitslosigkeit fallen. Wenn wir überlegen, was uns das in Zukunft kostet und was uns da an Potenzial für die Zukunft verloren geht, dann ist das bedrückend. Wir müssen im Vorfeld präventiv tätig sein und diesen jungen Menschen in die Gesellschaft einbinden, ihnen Arbeit geben. Und da müssen wir investieren – auch in das Gebäude Berufsschule. Hier gilt es Mittel umzulenken. Auch was die Entwicklung im Westen des Landkreises betrifft, muss gegengelenkt werden. Dort brauchen wir Arbeitsplätze, Teilzeitarbeitsplätze vor allem für Frauen. Das geht nur mit der Wirtschaft, aber der Landkreis kann lenken.

 

Ansiedeln muss aber die Kommune.

Haunsberger: Meine Idee wäre, dass der Landkreis in Zusammenarbeit mit Gemeinden eine Industriefördergesellschaft gründet, die auch an Fördertöpfe kommt und ganz andere Möglichkeiten als jede einzelne Gemeinde für sich hat. Wir dürfen uns nicht immer in dieses starre Verwaltungskonzept zwängen lassen. Wir sind überreguliert. Hätte die Stadt Eichstätt beispielsweise ihr Bahnhofsgelände einem privaten Investor übergeben, dann wäre die Ausschreibung überhaupt kein Thema.

 

Würden Sie das Landratsamt wie eine Firma führen, oder wie eine Behörde? Sie haben beide Seiten kennen gelernt.

Haunsberger: Dass ich in beiden Bereichen tätig war, sehe ich als entscheidenden Vorteil für mich. Das Landratsamt wird immer eine Behörde bleiben müssen, aber man kann sie heute ökonomisch führen. Wir müssen uns bewusst werden ’was kostet uns eine Dienstleistung’. Und wir müssen politisch entscheiden, ist es uns das wert. Dann ist es okay. Kostentransparenz ist notwendig. Die Pro-Kopf-Verschuldung zum Beispiel sagt überhaupt nichts aus. Wichtig ist zu beurteilen, was habe ich geschaffen, welche Vermögenswerte stehen dem Aufwand gegenüber. Da ist es egal, ob ich 20 oder 200 Euro Pro-Kopf-Verschuldung habe. Und je weniger ich Verwaltungskosten oder Personalkosten habe, desto mehr kann ich investieren.

 

Investiert hat der Landkreis in der Vergangenheit stark in Bildung, in Realschulen und Gymnasien. Wo gibt es noch Defizite?

Haunsberger: Gymnasium Beilngries und Realschule Kösching sind mit ein Verdienst der Freien Wähler. Was die berufliche Bildung betrifft, liegt mir die Berufsschule sehr am Herzen. Es ist den wenigsten jungen Menschen wie auch Eltern bewusst, dass man mit einem guten Abschluss in der Berufsschule und einer zweiten Fremdsprache den mittleren Bildungsabschluss hat und damit den unmittelbaren Zugang zur Fachoberschule und somit durchstarten kann bis zum Fachhochschulstudium. In Eichstätt haben wir die Fachakademie für Sozialpädagogik und den Fachhochschulstudiengang Sozialpädagogik, so dass hier Durchlässigkeit gegeben ist. Hier müssen wir noch mehr lenken und dies transparenter machen. Ein anderer Punkt sind die Hauptschulen. Wenn der Kindergarten in jeden Ort gehört, dann gehört zumindest auch die Grundschule in jeden Ort, und bei den Hauptschulen müssen wir über Kooperationen nachdenken. Auch Kombiklassen werden akzeptiert, solange man nicht bei der dritten und vierten Jahrgangsstufe einsteigt. Profilierungsmaßnahmen für die Hauptschule, wie sie jetzt stattfinden, sollen fortgesetzt werden. Wir können einfach nicht darauf verzichten, junge Menschen zu qualifizieren, weil dies für uns volkswirtschaftlich ein Wahnsinn ist. Wir können unseren Lebensstandard nur halten, wenn wir alle Jugendlichen, die aus der Schule kommen, auch bestmöglich qualifizieren.

 

Betreuungsmöglichkeiten im Alter. Hat der Landkreis da einen Nachholbedarf?

Haunsberger: Meine Zielvorstellung ist, dass jeder alte Mensch, der in einem Ort im Landkreis aufgewachsen ist und dort gelebt hat, dass der auch im Alter dort bleiben und sein Leben beenden kann. Das zu organisieren, wird immer wichtiger werden. Es macht doch wenig Sinn, wenn jemand mit 70 oder 80 Jahren in ein Altenheim umgesiedelt werden und betreut werden muss. Dem steht gegenüber, dass junge Leute immer weiter wegziehen. Wir müssen davon ausgehen, dass die Bevölkerung in urbanen Verhältnissen, sprich in Ballungsräumen oder Großstadt nah, deutlich zunimmt, während das flache Land ausstirbt. In vielen Gemeinden gibt es jetzt schon keine Einkaufsmöglichkeiten mehr, keinen Arzt mehr. Und wenn niemand mehr da ist, der die Eltern oder Großeltern zum Arzt fahren kann, dann haben wir ein Riesenproblem.

 

Das sich wie lösen lässt?

Haunsberger: Indem ich Bebauungspläne so gestalte, dass nicht nur junge Familien sich niederlassen. Indem ich Innenstädte und Ortskerne wieder attraktiv mache.

 

Eine Aufgabe für den Landrat?

Haunsberger: Ich möchte mich nicht nur als Aktenverwalter verstehen, sondern als Gestalter, als jemand, der die Gespräche mit den Bürgermeistern sucht und versucht, auf die Bauleitplanung Einfluss zu nehmen.

 

Sie sagen, Stichwahl ist drin?

Haunsberger: Ja.

 

Obwohl Sie gegen einen dem Vernehmen nach übermächtigen Gegner antreten

Haunsberger: Wenn man das Mögliche erreichen will, muss man das scheinbar Unmögliche denken. Das ist so eine Art Lebenseinstellung von mir. Knapp ist Favorit, und die Frage ist, wie wir uns von der Prozentzahl her entwickeln können. Wir hatten bisher 16 Prozent und noch nie einen Landratskandidaten. Ich denke, dass die Kandidatur acht bis zwölf Punkte bringt, und da wären wir schon bei 27 Prozent. Wenn die SPD bei 21 Prozent stehen bleibt, dann stellt sich die Frage, wohin wenden sich die Parteien, die keinen eigenen Landratsbewerber haben. Also: Das scheinbar Unmögliche ist möglich.

 

Eichstaetter Kurier