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Nachhaltig wirtschaften

Pförrings Bürgermeister bleibt vorsichtig

Kirche und Rathaus stehen in Pförring nah beieinander. In Zukunft wollen Kirchen- und Gemeindeverwaltung auch bei der Energieversorgung ihrer Gebäude eng zusammenarbeiten. - Foto: Kügel

Pförring (DK) Über ein dickes Osterei hat sich der Pförringer Gemeinderat gefreut: Das Gesamtvolumen des einstimmig abgesegneten Gemeindehaushalts beträgt 8,743 Millionen Euro und liegt damit um fast 50 Prozent über dem Ansatz des Vorjahres.

Der Verwaltungshaushalt wächst um 1,5 Millionen Euro auf 5,6 Millionen Euro an. Verantwortlich für das kräftige Plus ist vor allem die Gewerbesteuer, bei der Kämmerer Josef Weber "mit einer erheblichen Zunahme" auf zwei Millionen Euro rechnet. Grund zu übertriebener Euphorie besteht laut Bürgermeister Bernhard Sammiller dennoch nicht. Denn die Steuerbescheide des größten Gewerbesteuerzahlers sind bis ins Jahr 1993 zurück noch nicht bestandskräftig, so dass immer noch mit Rückzahlungen zu rechnen ist. 

Bei der ausführlichen Vorberatung des Gemeindeetats im Finanzausschuss kündigte Sammiller deshalb an, für dieses Risiko fünf bis sechs Millionen Euro Rücklagen bilden zu wollen. Dank einer Zuführung zum Vermögenshaushalt in Höhe von knapp zwei Millionen Euro wird bereits zum Ende des laufenden Haushaltsjahres dieser Zielkorridor mit Rücklagen von dann rund 5,3 Millionen Euro erreicht. Bürgermeister Sammiller dankte den Gemeinderäten, dass sie trotz der verbesserten Einnahmesituation am Sparkurs der vergangenen Jahre festhielten und bei den Ausgaben "keine Schleusen" öffneten.

H A U S H A L T in Z A H L E N

Wesentliche Einnahmen: in Euro Wesentliche Ausgaben: in Euro
Grundsteuer A 82.400 Personal 757.000
Grundsteuer B 231 000 Sachaufwand 297.000
Gewerbesteuer 2.000.000 Betriebsaufwand 412 000
Einkommensteueranteil 1.373.000 Gewerbesteuerumlage 371 000
Umsatzsteueranteil 283 000 Kreisumlage 860 000
Einkommensteuerersatz 103 000 VG-Umlage 280 000
Schlüsselzuweisungen 231 000 Schulverbandsumlage 359 000
Zinseinnahmen 103 000 Betriebskostenumlage Kläranlage 183 000

Hans Schwürzer, als Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses auch Finanzbürgermeister, lobte den Haushalt als "solide" und riet ebenfalls, ein "Finanzpolster" anzusammeln. Dank der heuer sprudelnden Gewerbesteuer werde der Markt Pförring schon nächstes Jahr bei den Schlüsselzuweisungen wieder leer ausgehen und außerdem wieder mehr Kreis- und Gewerbesteuerumlagen überweisen müssen. Dem neuen Gemeinderat, für den Schwürzer nicht mehr kandidierte, legte er ans Herz, die "auch nach der Sanierung der Schule immer noch zu hohen Energiekosten der gemeindlichen Einrichtungen" im Auge zu behalten.

Ein Instrument dafür liegt bereits vor. Das Energieeinsparkonzept, das der Gemeinderat zusammen mit der Kirchenstiftung St. Leonhard bei der Fachhochschule Amberg-Weiden in Auftrag gegeben hat, stellte Professor Markus Brautsch dem Gremium vor. Auslöser für die Studie war der Pfarrhof, für den im Rahmen der laufenden Sanierung ohnehin eine neue Heizung notwendig wird. Die Untersuchung umfasste außerdem die beiden Kirchen, Pfarrkirche und Sebastianikapelle, das Pfarrheim und das Rathaus. Beim Rathaus ließe sich im Wesentlichen durch neue Fenster und Fassadendämmung der Jahresverbrauch von 11 000 Liter Heizöl auf 54 Prozent fast halbieren. Beim Jugendheim mit 7000 Liter liegt das Einsparpotential bei 24 Prozent, wenn auch das Dach und die Decke zur integrierten Garage gedämmt werden.

Untersucht haben die Fachleute auch zentrale Nahwärmeverbundlösungen, die allerdings laut Professor Brautsch nur sinnvoll sind, wenn das Seniorenheim St. Josef mit einem Heizölverbrauch von 35 000 Liter pro Jahr mit einbezogen wird. Unter den verschiedenen Energieerzeugern, vom konventionellen Heizölkessel bis zum pflanzenölbetriebenen Blockheizkraftwerk, schnitt die Kombination Hackschnitzelkessel für den Grundlastbereich und Heizölspitzenlastkessel am besten ab. Sowohl bei den Wärmegestehungskosten mit 10,8 Cent pro Kilowattstunde als auch bei der CO2-Bilanz. Professor Brautsch beurteilt außerdem die Hackschnitzel als "krisensicher" und rechnete vor, dass diese Variante bei den Brennstoffkosten noch "45 Prozent Luft" lasse für Preissteigerungen. Zudem bleibe die Kaufkraft in der Region. Billiger seien rein rechnerisch einzelne Heizölkessel (9 Cent/kwh), am kostengünstigsten schneidet eine "Insellösung" für Pfarrheim und Pfarrhof ab mit Wärmegestehungskosten von sieben Cent. Brautsch rechnet für die große Wärmeverbundlösung aber mit erheblichen Fördermitteln, so dass diese zentrale Nahwärmeversorgung am Ende die Nase vorn haben wird.

Laut Professor Brautsch ist es wegen der Leitungsverluste nicht wirtschaftlich, weitere gemeindliche Gebäude wie Bauhof, Feuerwehr oder Kindergarten an ein zentrales Wärmeverbundsystem anzuschließen. Und auch der Anschluss von Privathäusern sei nur sinnvoll, wenn sie direkt an der Leitungstrasse liegen.

Von Sebastian Kügel

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