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Podiumsdiskussion in Etting

KAB will Hauptschule stärken

Etting (si/reh) Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) rückt seit Jahren die Ausbildungssituation und die Hauptschulen in den Fokus der Öffentlichkeit. Dies geschieht aus Sorge um die immer schlechteren Chancen für junge Menschen, einen guten Start ins Berufsleben zu schaffen. Woran liegt dies und was hilft dagegen? Diese Fragen stellte Diözesansekretär Ulrich Berber bei einer Podiumsdiskussion des KAB-Kreisverbands im Ettinger Pfarrstadl am Mittwochabend.

Die "Qual nach dem Quali" zeigte Eva Neumann, die bis 2006 Elternbeiratsvorsitzende an der Herschelschule war und Mutter von zwei Auszubildenden ist. Sie berichtete von 60 Bewerbungen, die sie mit ihren Zwillingstöchtern aufsetzen musste. 40 wurden dann überhaupt nicht beantwortet. Nur unter starker Mithilfe der Mutter kam es zum Einstellungstest bei Audi: Fest steht, so die Mutter, dass die Eltern viel tun müssen, um die Kinder bei der Suche nicht mutlos werden zu lassen. "Ohne Eltern geht überhaupt nichts", sagte Anton Rottmair, Rektor der Hauptschule an der Maximilianstraße.

Erhard Brandl, Unternehmer aus Eitensheim und Ausbilder von derzeit zehn Lehrlingen, tut sich schwer, aus den vielen und oft gleich lautenden Schreiben auszuwählen. Er ziehe den persönlichen Kontakt vor. So lasse sicher schneller erkennen, wer "Verantwortungsgefühl" habe oder "null Bock". Zudem würden sich fast alle bei den selben, den bekannten Unternehmen bewerben, kritisierte er. Für die Hauptschule, so Anton Rottmair, sei im Lehrplan verankert, den Schülern bei den Bewerbungen behilflich zu sein. "Die Hauptschule braucht wieder einen besseren Ruf, wir sind nicht die Restschule", sagte Rottmair, "unsere Schüler können wirklich viel."

Gerhard Müller, der an der Berufsschule I die Jugendliche ohne Lehrstelle betreut, berichtete von der Überforderung: "Wir können nicht viel mehr tun. Da muss viel früher angesetzt werden. Die problematischen Fälle merkt man doch schon, bevor sie bei uns oder in den Betrieben landen." Man biete den berufsschulpflichtigen Schützlingen ohne Arbeit - in Ingolstadt derzeit etwa 200 - jede Unterstützung an, doch es sei nicht Aufgabe der Schule - und zudem sehr schwierig -, an die betroffenen Familien heran zu kommen. "Bei den ausländischen Kindern kümmert sich kaum jemand", sagte Eva Neumann. Zu Elternsprechabenden seien oft nur zwei oder drei Erwachsene bei 25 Schülern gekommen. "Ich weiß nicht, was man machen könnte", so Neumann frustriert.

Christina Braun, Lehrerin an der Stollstraße, wollte das so nicht stehen lassen: Sie mache gute Erfahrungen mit ausländischen Müttern. "Man muss halt anrufen, dann kommen die schon." Allerdings schränkt auch sie ein: "An Gymnasien und Realschulen stehen die Eltern mehr dahinter, das ist an der Hauptschule das Problem."