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Junge Union möchte Hauptschulen umtaufen

Interview des Donaukurier mit dem JU-Vorsitzenden Manfred Weber

München (DK) "Bildungspolitik muss das Topthema der bayerischen Landespolitik sein", fordert der Chef der Jungen Union, Manfred Weber. Die JU brütet zur Zeit über einem 50-seitigen Grundsatzpapier zur Reform des freistaatlichen Bildungswesen. Unsere Redakteurin Constanze Mauermayer sprach mit dem Europaparlamentarier Weber über seine Erwartungen an die bayerische Staatsregierung.

Herr Weber, wo sehen Sie Defizite im Bildungssystem?

Manfred Weber: Zur Klarstellung: Uns geht es nicht um eine Revolution, da Bayern ein anerkannt hervorragendes Bildungssystem hat. Viele Kinder und Jugendliche bekommen aber leider von ihrem Elternhaus nicht mehr die Grundqualifikationen für das Gelingen des Lebens und die soziale Teilhabe vermittelt. Deshalb ist in der Schule auch ein Stück weit der Staat stärker gefordert.

Wo erwarten Sie staatliches Eingreifen?

Weber: Wir von der JU schlagen im vierten Lebensjahr eine verpflichtende Prüfung für alle Kinder in Bayern vor. Sind sie gut entwickelt? Sprechen sie gut Deutsch? Diese Fragen müssen beantwortet werden. Damit hätten wir genug Zeit zum Nachjustieren und zur Förderung der Kinder in verpflichtenden Vorschulklassen, für die Kinder, die Nachhilfe brauchen. Nur dann hätten auch die Kinder aus sozial benachteiligten Schichten und aus Migrantenfamilien eine echte Bildungsperspektive.

Was erwarten Sie von Ministerpräsident Günther Beckstein in seiner Regierungserklärung?

Weber: Bildungspolitik muss ein wesentlicher Teil der Erklärung sein. Uns ist zum Beispiel eine Reform der Lehrerbildung ein großes Anliegen. Es geht doch nicht mehr allein um die Frage, ob möglichst viele Inhalte vermittelt werden, sondern wie das geschieht. Deshalb brauchen wir in der Lehrerbildung eine starke Akzentverschiebung Richtung Pädagogik und Sozialpädagogik. Wir denken auch an deutliche Akzente in punkto Leistungsorientierung: Der Lehrer, der einen tollen Job macht, muss es auch am Geldbeutel spüren.

Erwarten Sie auch finanzielle Zeichen, damit die Berichte über Lehrermangel und große Klassen endlich aufhören?

Weber: Tatsache ist doch, dass Bayern 4000 neue Lehrer angestellt hat. Die Schulen brauchen aber wesentlich mehr Eigenverantwortung, um das Schulleben aktiv gestalten zu können. Es wird viel zu viel im Kultusministerium entschieden, anstatt von den Lehrern vor Ort. Wir müssen die Schulen in die Freiheit entlassen!

Da rennen Sie bei Schulminister Schneider offene Türen ein.

Weber: Das stimmt. Der Kultusminister macht einen guten Job. Wir müssen den Erfolg von Bildung künftig auch mehr an den Ergebnissen bemessen. Ein Gradmesser für erfolgreiche Arbeit kann etwa sein, wie viele Absolventen einer Hauptschule später einen Ausbildungsplatz bekommen oder wie zufrieden Eltern mit ihrer Schule sind.

Die JU möchte der Hauptschule einen neuen Namen verpassen. Warum?

Weber: Das sind erste Überlegungen in der Jungen Union, endgültig wird diese Frage erst auf der Landesversammlung entschieden. Ich denke an den Namen Praxisschule. Das wäre ein Signal, dass berufliche Bildung ein sehr wichtiger Schwerpunkt ist. Die Menschen müssen begreifen, dass dieser Weg den jungen Menschen alle Chancen offen hält - bis hin zu einem Studium und sogar einer Promotion. Diese Durchgängigkeit des Systems muss endlich in die Köpfe.

Sie glauben doch nicht wirklich, dass ein neuer Name die Imagekrise der Hauptschule lösen könnte?

Weber: Natürlich hilft ein neuer Name nichts, wenn nicht gleichzeitig die Hauptschulreform gestartet wird.

Donaukurier