Seiteninhalt
Wenig attraktive Region mit Potenzial
Eichstätt (EK) Der Landkreis Eichstätt ist laut Familienatlas 2007 eine "Potenzial-Region". Das hört sich schmeichelhafter an als es ist, denn bei der aktuellen Prognos-Studie rangiert der Landkreis unter 439 "Mitbewerbern" im unteren Drittel. Die Platzierungen sind teilweise miserabel.
Zunächst die positiven Aspekte: Zum einen sieht es in den Landkreisen um Eichstätt herum auch nicht recht viel besser aus, zum anderen kann der Kreis Eichstätt in der Kategorie Arbeitsmarkt glänzen – hier landet er im bundesweiten Vergleich auf Platz zwölf. Ein Aspekt, der in der vom Bundesfamilienministerium in Auftrag gegebenen Studie mit "stark überdurchschnittlich", der höchsten Wertung also, beurteilt wird.
"Überdurchschnittlich" ist auch noch der Faktoren Demografie (Platz 79). In beiden Feldern findet sich der Landkreis somit im oberen Drittel aller untersuchten Kreise und kreisfreien Städte.
Zuweilen recht düster wird es dagegen im so genannten Handlungsfelder-Gesamtindex, der die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Wohnen, Bildung und Ausbildung, Freizeit umfasst: Als Potenzial-Region lässt der Landkreis nur noch "passive" und "zurückfallende" Regionen hinter sich. Davor sind "gefährdete", "stabile", "etablierte", "engagierte", "aufstrebende" und schließlich die "Top-Regionen".
Bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf schneidet der Landkreis Eichstätt mit Platz 384 unterdurchschnittlich ab. Rang 289 gibt es für die Betreuungsquote für Kinder unter drei Jahren, Platz 427 (!) für Chancengleichheit (Frauen und Männer) am Arbeitsmarkt. Da sind nur noch zwölf Kommunen in Deutschland schlechter.
Deutlich besser: Wohnsituation und Wohnumfeld. Hier war ein überdurchschnittlicher Rang 145 drin. Beim Anteil der Familienwohnungen ist Eichstätt mit Rang vier sogar absolute Spitze.
Ziemlich genau im Mittelfeld liegt der Kreis Eichstätt im Bereich Bildung und Ausbildung: Prognos ermittelte einen durchschnittlichen Platz 231. Erfreulich hoch ist die Ausbildungsplatzdichte (Rang 129), eher erschreckend die Schüler-Lehrer-Relation (Rang 414).
Weit hinten landet der Kreis beim Thema Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche: nämlich auf Platz 422, was mit unterdurchschnittlich gewertet wird. Für den Kinder- und Jugendanteil in Sportvereinen reicht es in dieser Kategorie zwar noch für Rang 201, bei "Betreuungspersonen in der Jugendarbeit" lässt es aber schon nach: Platz 331. Und auch beim Musikschüler-Anteil und Kino-Angebot hapert’s (Plätze 404 und 413). Welches Fazit zieht der Familienatlas über Potenzial-Regionen? "Die eher ländlich geprägten Regionen bieten zwar sehr gute Rahmenbedingungen für traditionelle Familienmodelle", heißt es dort, "lassen jedoch die Bedarfe und veränderten Lebenswünsche junger Familien unberücksichtigt. Die Regionen sind damit für viele Familien wenig attraktiv und lassen so Potenziale ungenutzt."
Fachkräftemangel
Die Empfehlung ist nicht weniger eindeutig: Angesichts des Fachkräftemangels müssten Potenzial-Regionen insbesondere bessere Bedingungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf schaffen, um ihr wirtschaftliches Niveau zu halten. Der geringe Frauenanteil am Arbeitsmarkt sei "alles andere als beruhigend": Frauen würden angesichts alternder Belegschaften und des Strukturwandels hin zu Dienstleistungen doppelt dringend als Fachkräfte gebraucht. Hier sei auch eine Sensibilisierung der Unternehmen unumgänglich, heißt es in der Studie.
I N D I K A T O R E N U N D Q U E L L E N
Der Familienatlas beruft sich überwiegend auf Angaben des Statistischen Bundesamts und der Statistischen Landesämter der Jahre 2005 und 2006. Aber auch die Bundesagentur für Arbeit oder die Landessportbünde werden als Quellen genannt. Als Indikatoren gelten unter anderem die Ganztagsbetreuungsquote im Kindergartenalter, Erschwinglichkeit von Wohneigentum, verunglückte Kinder im Straßenverkehr, durchschnittliche Klassengrößen oder auch die Nutzung öffentlicher Bibliotheken. Ebenfalls berücksichtigt wurden beispielsweise die Kriminalitätsrate, Freifläche und Erholungsfläche je Einwohner oder der Anteil der Beschäftigten in elf Zukunftsbranchen (www.prognos.com).





